AUTISMUS

- Der geliebte Delphin - eine Reise für das Kind
Autismus - eine Entwicklungsstörung, die in der Regel von Geburt an besteht. Um das Kind entwickelt sich eine Art Wahrnehmungskokon (wie die Hülle der Insektenpuppen) und isoliert es so vollkommen von seiner Welt.
Ihr Kind ist drei ... sechs ... zehn Jahre alt und hat noch nie ein Wort gesprochen. Mit keiner Geste hat ihr Kind je gezeigt, dass es Sie oder irgend jemanden anderen liebt. Sie bekommen den Eindruck, ihr Kind ist "anders", lebt in einer anderen Welt. Schlimmer noch; Sie haben das Gefühl, ihr Kind ist aus Stein! Und Sie glauben, es gibt keinen Menschen auf der Welt, der Ihnen und ihrem Kind irgendwie helfen kann. Sie wollen herausbekommen, was in ihrem Kind steckt ... wenden in ihrer Verzweiflung jeden faulen Trick an, der dazu führen kann, es aus der Reserve zu locken ... aus diesem Anderssein. Doch der Versuch, ihr Kind aus der anderen Welt heraus zu zwingen oder zu locken, kann katastrophale Folgen haben:
- Es bricht unter dem Druck, dem es ausgesetzt ist, zusammen.
- Es zieht sich noch tiefer in seine eigene Welt zurück! Möglicherweise endgültig!
Ein autistisches Kind ist überaktiv ... zeigt keine Gefühle wie andere Menschen ... es lacht nicht ... oder weint nicht einmal. Es tut nie, was Sie sagen! Vielleicht wird es niemals tun, was Sie sagen. Und tut im Grunde nur das, was es will ... Dass der Autist sich Dinge nicht aneignet, ist nur die Angst, den eigenen Willen aufzugeben. Dass er seine Stimme lieber nicht gebraucht. Es ist für den Autist sicherer; denn lässt er sie hören, zeigt er damit, wer er ist ... im tiefsten Inneren WIRKLICH ist.
Viele Autisten haben einzigartige und faszinierende Fähigkeiten! Ein autistisches Kind zum Beispiel schafft es nicht, die Knöpfe der eigenen Bluse zuzuknöpfen, kann aber die unglaublichsten Skulpturen schaffen. Ein anders autistisches Kind kann nach einmaligem Hören ganze Sonaten nachspielen. Vor zweitausend Jahren wurden Autisten als Götter verehrt ... vor dreihundert Jahren landeten sie als verhext auf dem Scheiterhaufen ... heute werden sie mit Therapien behandelt und mit Medikamenten vollgestopft.
Aber Tatsache bleibt nach Aussage einzelner Ärzte und Therapeuten weltweit: KEIN MENSCH ...kein Mensch weiß, was Autismus wirklich ist!!! Wie sie fühlen und denken.
In dem Spielfilm "Stummer Schrei" - USA 1994 - erklärt der Kinderpsychologe Jake (Richard Dreyfuss) das autistische Denken von "Ursache und Folge" in etwa so:
"Viele Autisten mögen Spielkarten, so wie sie Zahlen mögen und Musik ... einfach alles, was mit logischer Reihenfolge zu tun hat. Sagen wir, die Zahl Zehn ist eine Erinnerung an etwas, was geschehen ist ... Hundert völlig verschiedene Erinnerungen kann die Zahl Zehn bei Ihnen auslösen ... einen bestimmten Geruch oder das Knarren des Fußbodens ... Bei einem Autisten ist es anders. Für ihn führt der einzige Weg, die Karte Zehn - die Erinnerung - wieder zu finden, über die Neun ... und der einzige Weg zu dieser Neun führt für ihn über die Acht u.s.w. u.s.w. u.s.w. ... Und da liegt seine Erinnerung ... nämlich am Anfang ... beim AS ... der Beginn der Kette! Aber was ist das AS des Autisten? Es kann alles Mögliche sein: ein Ton, oder ein Bild ... und um genau DAS herauszufinden, muss eine Möglichkeit gefunden werden, um eine Beziehung zueinander aufzubauen ... Freunde zu werden ..."
Die meisten Menschen sehen nur den physiologischen Aspekt - (die Physiologie betreffend; Lehre von den Lebensvorgängen). Sie halten es für Fehlschaltungen im Gehirn. Sollten Sie über Hypnose nachdenken, um bei ihrem autistischen Kind in der Erinnerung etwas nachhelfen zu wollen, so sollten sie sehr GRÜNDLICH darüber nachdenken! Es kann nämlich sein, dass Sie damit einfach nur seine Stimmung etwas verändern ... doch in welche Richtung? Überwältigende, riesige Furcht ... Angst vor der ganzen Welt - hinter Mauern gefangen - eingesperrt und zu Tode geängstigt - bedrängt den Autisten pausenlos ... Versuchen Sie zu ihrem autistischen Kind eine Verbindung aufzunehmen ... werden sie Freunde ... und zwingen Sie es zu nichts; denn dann hätten Sie das autistische Kind ... Ihr Kind verloren! Und wenn wir darüber nachdenken: sind wir nicht alle ein bisschen "anders" als Andere?
Lara Andriessen
Buch: "Das selbst gewählte Exil" - Autismus (Autorin Lara Andriessen)
Buch: "Ich bin nicht aus Stein" - Autismus (Autor Dirk Bracke)
Leseprobe
In meiner Welt
„Warum träumen die Menschen, Mama?“
„Damit sie die Dinge klarer erkennen, Mera.“
„Woher kommen die Menschen?“
„Gott hat sie erschaffen.“
„Wo lebt denn Gott?“
„Warum hat er die Menschen gemacht?“
„Vielleicht brauchte er Gesellschaft?“
„Warum sterben wir irgendwann, Mama?“
„Wir sterben nicht, sondern wandern von einem Haus ins nächste.“
„Und wie heißen die Häuser?“
„Sie heißen Leben, Mera, Leben.“
„Warum spricht Valentin nicht?“
„Um besser sehen zu können.“
„Braucht er dazu keine Sprache?“
„Nein, Mera, um sehen zu können, braucht er keine Sprache.“
„Hat Gott das so bei ihm gemacht?“
„Es kann sein, dass er mit etwas Magie gearbeitet hat.“
„Was ist Magie, Mama?“
„Es ist eine ganz besondere Art, das sehen zu können, was nur für auserwählte Kinder bestimmt ist.“
„Und kann Valentin nur in eine andere Welt sehen?“
„Valentin blickt in seine Welt, in einen geheimen Ort, ohne Sprache.“
„Warum das denn, Mami? Wieso gibt es da keine Sprache?“
„Weil das Sehen ohne Sprache leichter ist, Mera, und Sprache uns oft von der Wahrheit ablenkt.“
„Und was sieht Valentin in seiner Welt?“
„Ich weiß es nicht, Kleines. Möglicherweise sieht er in seiner Welt die Welt so, wie er sie haben will.“
„So wie in Träumen?“
„Ja, so wie in Träumen.“
„Ist das wirklich alles so, Mama?“
„In meiner Welt, ja, Mera. Ob es in seiner Welt so ist, wie ich es dir gerade versucht habe zu erklären ...“
„Du bist so klug, Mami.“
„Manchmal sicher, Mera, bin ich klug. Manchmal höre ich aber einfach nur zu, was andere Menschen sagen; und wenn sich dann diese Worte meinem Inneren nähern, dann merke ich sie mir.“
„So wie die Worte, die du eben zu mir gesagt hast, Mami?“
„Ein weiser Mann hat diese Worte einem kranken Kind geschenkt.“
„War das andere Kind so krank wie Valentin?“
„Es ist auch "anders" gewesen als die anderen in seiner Familie, Mera.“
„Und du hast dir die Worte des weisen Mannes gemerkt?“
„Ich hab sie mir gemerkt, weil sie meinem Inneren sehr, sehr nahe kamen.“
Mera steht nachdenklich auf und lässt mich genauso nachdenklich zurück.
Aus dem Buch „Das selbst gewählte Exil“
Ein privates Wort an Betroffene
Vielleicht stehen Sie gerade an einem Punkt, an dem Sie mit ihrem autistischen Kind allein stehen ... wie ich einmal mit meinem autistischen Kind allein da stand.
Gedichte zu Autismus
GRUPPE "PUR"
Ausdruck des "Andersseins"
ICH WILL RAUS HIER
Er plapperte schon Worte,
wie es kleine Leute tun.
Alles schien in Ordnung und gesund,
doch mit nicht mal ganz zwei Jahren
blieb seine Sprache stumm,
scheinbar ohne Grund.
Und er schrie viel und tobte,
zog sich dann weit in sich zurück,
und nach falscher Diagnose
und nach Ratlosigkeit blieb nur eins:
"Wohl verrückt."
Einsam, traurig, Kastenmensch,
lebendig begraben, ein steinernes Wesen,
das mich im Kerker gefangen hält.
Er spielte mit den Murmeln,
und er saß gern unterm Tisch,
so blieb lange vieles unentdeckt,
bis nach Jahren eines Tages
eine neue Therapie zeigte,
was da in ihm steckt.
Und er schreibt am Computer.
Und er schreibt gestützt auf Mutters Hand.
Er schreibt in seiner Sprache.
Kämpft mit Worten und Verstand
gegen seine Kerkerwand.
Einsam, traurig, Kastenmensch,
lebendig begraben, ein steinernes Wesen,
das mich im Kerker gefangen hält.
Wo ist der Weg in die richtige Welt?
Ich will raus hier aus der Kastenwelt,
in die wirre Welt,
ich will kein "in mich" mehr sein,
ich will raus hier.
Wuchernde Erdklumpen auf meiner Seele,
unruherastklopfiger Geistüberfall,
Chaosgedanken, autistischer Panzer,
Ohneichwesen und rohe Gestalt,
Isolationshaft, in zwanghafter Weise bin ich
ein Sklave der Wunderangstmacht.
(Musikgruppe "PUR": "Mächtig viel Theater!")
aus dem Buch: Lara Andriessen "Das selbst gewählte Exil" - Autismus
VERLORENE WESEN
Ein Vogel schwingt sich in die Lüfte,
kraftvoll steigt er auf.
Hört, hört,
zurück bleibst du allein.
Ohne Hilfe.
Leben, nur ein Wort,
eingebrannt in den Verstand.
Der Hauch des Windes berührt dich,
wie jedes andere auch,
den Elementen ausgeliefert.
Der Windhauch wird dein schwaches Lächeln ersticken.
Doch noch hast du Kraft und Hoffnung.
Nichts kann sie dir nehmen,
nicht Gott, noch der Teufel.
Verlorene Wesen versuchen dich zu fragen,
dir deine letzte Kraft zu entziehen.
Wollen deinem Körper auch die letzte Hoffnung entreißen.
Wehre dich, wehre dich,
schreit es aus deinem Verstand.
Und sieht es für dich auch noch so hoffnungslos aus,
so kommt ein guter Freund,
der dir in Gedanken nahe steht.
Autor: Alexander Eley
